Ayurvedische Heilkunde: Was steckt dahinter und wie kann sie helfen?

06.02.2020 14:17

ayurveda doshas

 

"Wenn eine Wahrheit zum Wohle des Patienten auch dem Feind genommen werden soll, sollte der Arzt nicht davor zurückschrecken, dies zu tun“ (4). Eine der Grundlagen des Ayurveda ist, dass sich dieses Medizinsystem nicht vor externen Beiträgen und Meinungen verschließt, um Medikamente und Mittel aus anderen Traditionen, medizinischen Systemen oder Ländern anzuwenden, weil sein Schwerpunkt und einziger Zweck das Wohl des Patienten ist.

Zweifellos ist dies ein sehr nobles Ziel, das jedes Gesundheitssystem verfolgen sollte. Es ist daher verständlich, dass Ayurveda zu einem der ältesten Heilmethoden zählt und während der letzten 5000 Jahre mit ihrer Weisheit die verschiedenen Ecken der Welt erobert hat.

 

Die Ursprünge des Ayurveda

Wie wir bereits erwähnt haben, handelt es sich um ein medizinisches System, dessen Ursprung vor Tausenden von Jahren in Indien liegt. Es wird angenommen, dass die Basis und Ideen der ayurvedischen Philosophie aus der Atharvaveda stammt, einem der heiligen Textsammlungen des Hinduismus (bekannt als die vier Veden), da sie Kräuter, magische Hymnen und Formeln zur Behandlung von diversen Beschwerden und Gesundheitsproblemen aufgreift (2). Da ein großer Teil dieses Wissens mündlich überliefert wurde, ist es jedoch sehr schwierig, Gewissheit über den genauen Ursprung und Inhalt von Ayurveda zu finden.

Ayurveda selbst hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen durchlaufen, wobei ayurvedische Schriften seit Verfassung und Veröffentlichung des „Bhava Prakasha“ - einem der Standartwerke des Ayurveda - vor mehr als 400 Jahren keine großen Änderungen mehr erfahren haben. Darüber hinaus basieren die ayurvedischen Grundlagen nicht auf dem Kontext oder der Umwelt basieren, sondern vielmehr auf dem Menschen und der Beziehung zwischen Körper und Geist. Und diese Grundlagen ändern sich unabhängig von den Gewohnheiten, Kulturen und der Umwelt nicht.

 

Die Prinzipien des Ayurveda

Die Schriften zur ayurvedischen Heilkunst sind in Sanskrit geschrieben, der Sprache, die in allen heiligen Texten des Hinduismus verwendet wird. Der Begriff Ayurveda आयुर्वेद stammt von āyuh (Leben) vedá (Wissen), also "Wissen vom Leben" und basiert auf dem, was es als universelle Wahrheit betrachtet: die Verbindung zwischen Körper, Geist und Bewusstsein des Menschen und daraus abgeleitet mit dem Universum und der Natur.

Ayurveda arbeitet an der Harmonie zwischen beiden Welten, der inneren und der äußeren, und ist der Ansicht, dass dieses Gleichgewicht durch Ernährung, Gewohnheiten und Lebensstil (soziales Verhalten, Gedanken, Bewegung, Schlaf usw.), Heilkräuter usw. erreicht werden kann.

Einer der vielleicht herausragendsten Aspekte der ayurvedischen Philosophie ist, dass sie jedes Individuum als einzigartiges und besonderes Wesen behandelt. Anstatt also allgemeine Behandlungen wie die uns bekannte Medizin anzuwenden, führt er umfangreiche Studien über die Eigenschaften des Patienten durch, um dann die Art der Behandlung zu bestimmen, die am besten zu seiner Situation passt. Hier kommen die sogenannten Doshas ins Spiel.

 

Was sind die drei Doshas?

Laut Ayurveda dienen die fünf Sinne als Portal zwischen der inneren und äußeren Welt und sind mit den fünf Elementen Luft, Feuer, Wasser, Erde und Äther verbunden. Diese fünf Elemente werden in drei grundlegende „Energietypen“ gruppiert, die als Doshas bezeichnet werden: Pitta, Kapha und Vata (2). Man geht im Ayurveda davon aus, dass jedes Individuum aus diesen drei fundamentalen Elementen besteht, die jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Ist eines dieser drei Doshas sehr dominant, spricht man von der Vata-, Pitta- oder Kapha-Konstitution. Die meisten Menschen sind jedoch Mischtypen.

  • PITTA: Bei Pitta steht das Feuer im Vordergrund. Diese Grundenergie ist vor allem verantwortlich für Verdauung, Stoffwechsel, aber auch Sehkraft und Körpertemperatur. Ist sie ausgeglichen, fördert sie die Intelligenz, ist sie jedoch aus dem Gleichgewicht, führt sie vermehrt zu Wut und Eifersucht.
  • KAPHA: Kapha gibt Stabilität und ist mit den Elementen Wasser und Erde assoziiert. Kapha ist daher zuständig für die Bildung von Geweben und Körperflüssigkeiten und das Immunsystem. Im Gleichgewicht zeigt sie Liebe und Ruhe, führt aber ansonsten zu Anhaftung und Neid.
  • VATA: Bei Vata steht das Element Luft im Vordergrund, das mit Bewegung assoziiert ist. Vata bezieht sich also auf physiologische Aktivitäten, die mit Bewegung zu tun haben, wie Atmung und Herzschlag. Im Gleichgewicht fördert sie die Kreativität, während ein Ungleichgewicht zu Angst und Nervosität führt.

Im Internet findet man diverse Seiten, auf denen man durch eine Umfrage seinen Dosha-Typen ermitteln kann.

 

ayurvedische balance

 

Wie hält man die Doshas im Gleichgewicht?

Vata:

  • Ausreichend Ruhe finden.
  • Extreme Kälte vermeiden.
  • Kalte, gefrorene oder rohe Lebensmittel vermeiden.
  • Nährreiche Speisen essen und warme Gewürze wie Zimt und Ingwer nutzen.
  • Eine strukturierte Routine aufrechterhalten (z.B. regelmäßige Mahlzeiten).

Pitta:

  • Hitze meiden.
  • Scharfe, salzige sowie stark ölige Speisen vermeiden.
  • Vermehrt kalte und rohe Nahrungsmittel verzehren.
  • Zu kühleren Tageszeiten (morgens oder abends) trainieren.
  • Vor 22 Uhr ins Bett gehen.

Kapha:

  • Sport treiben und generell viel bewegen.
  • Schwere, fettige und saure Mahlzeiten vermeiden.
  • Auf Zwischenmahlzeiten verzichten.
  • Eine abwechslungsreiche Routine aufbauen.
  • Früh aufstehen und tagsüber keine Nickerchen machen.

 

Ayurvedische Therapien

Ein Ungleichgewicht der drei Energietypen kann Krankheiten verursachen, deshalb ist die ayurvedische Medizin bestrebt das Gleichgewicht zwischen Vata, Pitta und Kapha wiederherzustellen. Wie bereits erwähnt ist die persönliche Konstitution des Menschen der Ausgangspunkt für alle Behandlungen. Die Therapie wird also individuell auf die persönliche Verfassung des Patienten abgestimmt, um wieder Harmonie der drei Doshas zu etablieren. Je nach Diagnose werden vorwiegend natürliche Ressourcen wir Heilkräuter und pflanzliche Öle verwendet und verschiedene Therapiemethoden vereint, wie Massagen, Einläufe und Dampfbäder. Yoga und Meditation, sowie Ernährungsumstellungen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.

 

Ayurveda im Alltag: Tipps für einen gesunden Lebensstil

1- Auf eine nährstoffreiche Ernährung achten: beim Zusammenstellen von Gerichten Nahrungsmittel mit allen Farben des Regenbogens auswählen oder die 6 ayurvedischen Geschmacksrichtungen (süß, salzig, süß-sauer, scharf, bitter und adstringierend) kombinieren.

2- Ausreichend Ruhe gönnen: In der Nacht mindestens 7 Stunden schlafen und am besten vor 22 Uhr zu Bett gehen. Zwischen 4 und 5 Uhr morgens ist die beste Zeit, um aufzustehen, da dies die reinsten Stunden des Tages sind.

3- Den Körper von innen heraus reinigen: Regelmäßige Entgiftungs- und Entschlackungskuren helfen Gift- und Abfallstoffe aus dem Körper auszuscheiden.

4- Tägliche Körperpflege: Das Gesicht täglich mit warmem Wasser waschen und dabei sanft massieren.

5- Ausreichend trinken: Tagsüber reichlich warmes Wasser oder Ingweraufgüsse trinken. Am besten gleich morgens auf nüchternen Magen ein Glas Wasser trinken. Kaltes Wasser sollte vermieden werden.

5- Tägliche Bewegung: Das kann einen Spaziergang oder auch eine Sportroutine umfassen - vorzugsweise am frühen Morgen.

6- Öl-Massagen: Beim Massieren auf die Stellen mit Nervenenden wie Hände und Füße konzentrieren.

7- Ein leichtes Frühstück und Abendessen: Mittags ist das Verdauungsfeuer am stärksten und damit die beste Zeit, um die "starke" Nahrung des Tages zu sich zu nehmen. Das heißt jedoch nicht, dass man zur Mittagszeit übermäßig essen sollte. Man sollte stattdessen aufhören zu essen, wenn man zu 80% satt ist.

8- Präsent sein: Das heißt zum Beispiel beim Essen bewusst kauen und währenddessen nicht andere Dinge tun, wie Fernsehen oder Lesen. Multi-Tasking ist also nicht im Sinne der ayurvedischen Prinzipien.

9- Yoga und Atemübungen: Meditation, Atemübungen und Yoga wirken beruhigend auf Geist und Körper. Hier gilt die Devise: Übung macht den Meister.

10- Frische Gewürze und Kräuter: Diese können den Entgiftungsvorgang des Körpers und die innere Balance unterstützen. Zu typischen ayurvedischen Gewürzen zählen z.B. Triphala, Ingwer, Kurkuma, Ashwagandha und Brahmi. Aber auch heimische Kräuter sind empfehlenswert.

Eine der bekanntesten Heilpflanzen im Ayurveda ist Ashwagandha, eine adaptogene Pflanze, die helfen kann, besser mit Stress und Angst umzugehen (3), das eigene Energieniveau zu erhöhen, das Immunsystem zu stärken, das Gedächtnis und die kognitive Leistung im Allgemeinen zu verbessern.

 

Langsam starten

Wer die Prinzipien der Ayurveda in seinen Alltag integrieren möchte, sollte dies schrittweise tun. Man muss nicht gleich alles in die Tat umsetzen um „perfekt“ zu sein. Denn diese Herangehensweise endet meist in Stress. Vielmehr bietet sich an die oben genannten Tipps langsam in die Tagesroutine zu integrieren, denn auch kleine Schritte können schon große Wirkung zeigen.

 

Quellen

  1. Deshmukh & Chouragade, Concept of Vihara in Ayurveda - a review article. IAMJ (2017) (http://www.iamj.in/posts/images/upload/3090_3096_1.pdf, Stand 06.02.20)
  2. National Health Portal of India, "Ayurveda", Ministry of Health and Family Welfare, Government of India. (2015) (https://www.nhp.gov.in/ayurveda_mty, Stand 06.02.20)
  3. Chandrasekhar et al., A prospective, randomized double-blind, placebo-controlles study of safety and efficacy of high-concentration full-spectrum extract of ashwagandha root in reducing stress and axiety in adults.", Indian J Psychol Med. (2012)
  4. Narayanaswamy, Origin and development of ayurveda – a brief history, Ancient Science of Life, Vol I, No 1 (1981), College of Indian Medicine, Madras, India. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3336651/pdf/ASL-1-1.pdf, Stand 06.02.20)
  5. Vasant Lad, BAM&S, MASc, "Ayurveda: a brief introduction and guide", The Ayurvedic Institute, (https://www.ayurveda.com/resources/articles/ayurveda-a-brief-introduction-and-guide, Stand 06.02.20)

 
   

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